Der Lehrer im Eisbärbauch
Ein Märchen der Klasse 6d

Monika Büttner  ·  Dunant-Grundschule Berlin  ·  Schuljahr 1998/1999

 

Es war einmal eine lang-

weilige Deutschstunde. Der Lehrer lief in der Klasse hin und her und redete ohne Pause. Die Kinder gähnten und fingen an, auf dem Tisch zu malen. Coolwitzchen schlug vor, dass sie mal in ein Museum gehen könnten. So kam es, dass sie in der nächsten Woche im Raketenmuseum waren. 

Auch hier war es das Gleiche. Der Museumsführer lief hin und her und redete und redete und redete. Die Kinder gähnten und fingen an zu quasseln, nur Coolwitzchen spielte mit ihrem Stoffkater Immertreu, der sie überall hin begleitete. Im zweiten Raum stand eine Rakete, die von innen zu besichtigen war.

Zeichnung: Alina, Kl. 5b
Zeichnung: Alina, Kl. 5b

Endlich wurde es spannender. Der Museumsführer lud die Klasse ein, in die Rakete

zu steigen. Plötzlich zog er hastig die Raketentür zu und sprach: 

„Eine kleine Micky Maus 
zog sich sich mal die Hose aus, 
zog sie wieder an, 
auf dem Pluto seid ihr dran!!!"
 

Es rüttelte, schüttelte und schaukelte tüchtig, und schon waren sie auf den Pluto

gezaubert. Der Museumsführer sprach zornig: „So, ihr kleinen, miesen Wichte! Das habt ihr nun davon! Ich hasse solche Kinder, die mir nicht zuhören und Lehrer, die nichts dagegen tun!" 

Die Kinder waren bleich vor Schreck und merkten, dass sie wirklich auf dem Pluto gelandet waren. 
 

Inzwischen hatte der Lehrer heimlich die Tür geöffnet. Der Museumsführer 

bemerkte nun die offene Tür und packte den Lehrer. Dieser rief: „Lauft schnell weg", während er mit dem Zauberer kämpfte. Die Kinder rannten um ihr Leben, und erst jetzt bemerkten sie die grausame Kälte. Beim Kampf sprach der Zauberer: 

„Rubbel die Bubbel, die Bleisbär, 
ich bin jetzt ein Eisbär." 
 

Nun war der böse Eisbär gegen die Kälte gut geschützt. Er riss sein Maul mit den

riesigen Zähnen auf und verschlang den Lehrer mit einem Haps. Mit seinem schweren Lehrerbauch begab sich der Eisbär auf die Suche nach der Klasse. Mitten auf dem Weg erblickte er den Kater von Coolwitzchen. Der lag dort einsam und verlassen. 
 

Sofort bekam der Eisbär den bösen Gedanken, den Kater in seine Gewalt zu

bringen. Dabei sprach er aus Versehen einen falschen Zauberspruch. So verwandelte sich der Kater anstatt in einen bösen in einen guten, lebendigen, sprechenden Kater. Sofort befahl der Bär: „Such die Klasse!" Der Kater tat so, als würde er dem Eisbären gehorchen, und wies ihn in die falsche Richtung. 
 

Nach ein paar Stunden war der Eisbär so erschöpft, dass er sich niederließ,

einschlief und schnarchte - eben wie ein Bär. Inzwischen war der Kater schnell zur Klasse gelaufen und fand sie hinter einem Felsbrocken versteckt. Er sprach zu Coolwitzchen: „Ich bin es, dein Kater Immertreu. Der Eisbär hat mich verzaubert, nun kann ich laufen und sprechen!" 
Coolwitzchen sprang vor Freude in die Luft und umarmte Immertreu. 
 

Zeichnung: Andreas, Kl. 5e
Zeichnung: Andreas, Kl. 5e

Vor Kälte bibbernd machten sie

sich auf den Weg zur Rakete. Unterwegs trafen sie auf den Eisbären, der inzwischen aufgewacht war und sich auf die Suche nach der Klasse gemacht hatte. Die Kinder ergriffen wieder die Flucht und landeten schließlich auf einer pflanzenbewachsenen Stelle. Der Eisbär, der ihnen dicht auf den Fersen war, blieb plötzlich niesend, schnupfend und hustend stehen. Er glotzte die Kinder an und rannte so schnell er konnte weg. 

Coolwitzchen, die Schlaueste aus der Klasse, rief: „Das passiert nur bei einer Allergie.

Ich weiß das, weil mein Bruder auch mal eine hatte." Anna, eine andere Schülerin, rief: „Das müssen die Pflanzen sein!" - „Wir müssen mit den einzelnen Pflanzen näher an ihn herangehen", rief ein Junge.

Alle waren begeistert. Jeder nahm eine Pflanze in die Hand, außer Immertreu, der nahm sie ins Maul. Nun suchten sie den Bären. 
 

Sie fanden ihn in einer Felsenhöhle verkrochen mit roter Nase und einem großen

Taschentuch. Als er die Pflanzen sah, wurde er wieder wild. Sie banden ihre Gürtel zusammen und fingen den Eisbären. Der wehrte sich wie verrückt und schlug um sich.

Als sie ihn endlich gefesselt hatten, ging jeder einzelne auf ihn zu und berührte ihn ganz kurz mit seiner Pflanze. Immertreu hatte die einzig richtige. Als er den Eisbären berührte, schrie der auf wie ein angestochener Löwe und zerfiel dann zu Staub. 

Zum Vorschein kam gesund und munter der Klassenlehrer. Völlig verdattert drehte er sich im Kreis. Er hatte mit seinem Leben schon abgeschlossen. Die Klasse samt Kater tanzte einen Freudentanz.
 

Alle wollten nun wieder zur Rakete, doch sie fanden den Weg nicht mehr. So irrten sie

hungrig und frierend auf dem Pluto umher. Nach kurzer Zeit merkten sie, dass sie immer im Kreis gelaufen waren, weil sie ihre eigenen Spuren fanden. 

Auf einmal rief Coolwitzchen aufgeregt: „Wo ist mein Freund? Immertreu ist nicht mehr da." Sie suchten, doch niemand fand ihn.
 

Kater Immertreu hatte

inzwischen die Rakete schon ge- funden und wartete auf seine Freunde. Er rief:  „Coolwitzchen, wo seid ihr? Coolwitzchen, wo bist du?"
Coolwitzchen hörte die Rufe ihres Lieblings, auch wenn sie noch so weit von Immertreu entfernt war. Sie war glücklich und folgte dem Ruf von Immertreu. Die Klasse lief hinter Coolwitzchen her und schon bald fanden sie die Rakete. 


Zeichnung: Livia, Kl. 4c

Immertreu sprang vor Freude auf Coolwitzchens Arm. Die Klasse rannte schnell in die

Rakete und Immertreu drückte den Startknopf, aber was war das?! Die Rakete startete nicht. Da meldete sich der Lehrer und rief: „Ich kann sie reparieren." 
„Wenn du Raketen so reparierst wie du langweilig redest, dann wollen wir auf deine Hilfe verzichten", widersprachen die Kinder heftig. 
„Bitte, bitte!!! Früher wollte ich einmal Raketenbauer werden. Lasst mich an das Getriebe", flehte der Lehrer, um seinen Fehler gutzumachen. 
„Nur wenn du uns versprichst, dass du nie, nie, nie wieder so langweilig unterrichtest", bestimmten die Kinder.
 

Der Lehrer hatte geschwind das Getriebe repariert. Sie starteten, und als sie gesund

und heil auf der Erde angekommen waren, verwandelte sich Kater Immertreu wieder in einen Stoffkater. Coolwitzchen war aber nicht traurig, denn so war Immertreu unsterblich. 

Von nun an wurden alle Deutschstunden so aufregend wie der Ausflug zum Pluto.